16.02.2011
Ab 7. März heißt es auf den HVV-Buslinien im Raum Bergedorf und Harburg: Bitte vorne einsteigen und Fahrkarten vorzeigen! Das Pilotprojekt „Einstieg vorn“ ist Teil eines neuen Fahrkarten-Prüfkonzepts, mit dem der Hamburger Verkehrsverbund die Schwarzfahrerquote senken will.
Lutz Aigner, Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbundes GmbH: „Im Interesse von ehrlich zahlenden Fahrgästen kann der HVV das Schwarzfahren nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn pro Jahr entgehen dem Verbund bei einer Schwarzfahrerquote von 3,5 Prozent mehr als 20 Millionen Euro Fahrgeldeinnahmen.“
Ausgangslage und neues Prüfkonzept
Anlass für die Entwicklung des neuen Prüfkonzepts waren Kontrollen auf verschiedenen Buslinien im Großbereich Hamburg, bei denen deutlich überdurchschnittliche, teilweise sogar zweistellige Schwarzfahrerquoten festgestellt wurden. Zwar können diese Stichproben nicht als repräsentativ für alle Buslinien des Verkehrsverbundes gelten, aber sie zeigten Handlungsbedarf für ein systematischeres Vorgehen bei Fahrkartenkontrollen im Busbereich an.
Das neue, gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen entwickelte Konzept sieht 50 Prozent mehr Fahrkartenprüfungen im Busbereich vor. Für jede Linie gibt es Prüfvorgaben, die jeweils nach ermitteltem Schwarzfahreranteil flexibel gestaltet werden. Außerdem arbeiten die Prüfdienste der einzelnen Verkehrsunternehmen vermehrt zusammen, um besonders bei gemeinsamen Schwerpunktaktionen effektiver vorgehen zu können. Ein weiterer Bestandteil des neuen Prüfkonzepts ist der „Einstieg vorn“, bei dem die Fahrgäste der Busfahrerin oder dem Busfahrer ihre Fahrkarte vorzeigen.
Bereits seit 2002 steigen die HVV-Busfahrgäste ab 21 Uhr und an Sonntagen ganztags vorne ein und zeigen ihre Fahrkarte. Allein dies führte zu Fahrgeld-Mehreinnahmen von etwa 3 Millionen pro Jahr. In den Außenbereichen des HVV, z. B. in Geesthacht, Ahrensburg, Lüneburg und Stade, wird bisher schon an allen Wochentagen der ganztägige „Einstieg vorn“ praktiziert.
Start des Pilotversuchs „Einstieg vorn“
Am 7. März soll nun der ganztägige „Einstieg vorn“ zunächst als Pilotprojekt im Bergedorfer und Harburger Raum eingeführt werden. Mit Plakaten, Fahrzeugaufklebern und Flyern werden die Fahrgäste darauf aufmerksam gemacht, dass sie vorne einsteigen und dabei ihre Fahrkarte vorzeigen sollen. Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstuhl, Rollator und Fahrrad können selbstverständlich weiterhin durch die hinteren Türen einsteigen. Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass das Ein- und Aussteigen sogar schneller gehen kann, wenn alle Fahrgäste die Regel „Vorne einsteigen, hinten aussteigen“ befolgen.
Ulrich Sieg, Vorstand der Hamburger Hochbahn AG: „Uns ist es wichtig, die Fahrgäste und auch die Fahrerinnen und Fahrer während der Testphase zu unterstützen. Deshalb wird zum Start des Projekts zusätzliches Personal an viel genutzten Haltestellen für Information und Unterstützung sorgen.“ Dies gilt zum einen für die Buslinien im Harburger Raum, die hauptsächlich von der Hamburger Hochbahn AG und zum Teil von der KVG Stade betrieben werden, zum anderen auch für die in Bergedorf von der VHH PVG – Unternehmensgruppe betriebenen Linien. Insgesamt werden rund 150 Servicekräfte für Fragen und Information zur Verfügung stehen.
Dr. Thomas Becker, Vorstand der VHH PVG - Unternehmensgruppe: „Wir machen in Ahrensburg und Geesthacht bereits seit längerem gute Erfahrungen mit dem Vorne-Einstieg und sind zuversichtlich, dass es auch in Bergedorf gut klappen wird. In den vergangenen zwei Jahren haben wir in Ahrensburg deutlich mehr Fahrkarten verkauft. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für Fahrgäste und Busfahrer läuft es nun sehr gut.“ Heinz-Dieter Pohl, Geschäftsführer der KVG Stade, ergänzt: „Auf unseren Buslinien außerhalb des HVV-Großbereichs wird der ‚Einstieg vorn’ schon immer praktiziert, deshalb haben wir eine sehr niedrige Schwarzfahrerquote.“
Bewertung und Ziele des neuen Konzepts
Während der einjährigen Pilotphase wird der HVV das Funktionieren und die Wirkung des Vorne-Einstiegs bewerten. So wird ein Vorher-Nachher-Vergleich von Schwarzfahrerquote und Fahrgeldeinnahmen erfolgen. Ebenso wird geprüft, ob sich die Fahrtzeiten durch den „Einstieg vorn“ verändert haben. Außerdem werden sowohl die Fahrgäste als auch das Fahrpersonal nach den Erfahrungen mit der neuen Regelung befragt.
Der HVV erwartet insgesamt durch sein neues Prüfkonzept eine Senkung der Schwarzfahrerquote um 1 bis 1,5 Prozentpunkte und damit Mehreinnahmen von bis zu 6 Millionen Euro jährlich. Zudem erhofft er sich, dass das Gerechtigkeitsempfinden der zahlenden Fahrgäste bestätigt wird, denn schon bisher gab es von dieser Seite viel Zustimmung für häufigere Fahrkartenkontrollen.