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22.06.2011

HVV-Jahresbilanz und Ausblick

Der HVV blickte in seiner heutigen Pressekonferenz auf ein erfolgreiches Jahr 2010 zurück und berichtete von aktuellen Projekten und Planungen.

Der HVV blickte in seiner heutigen Pressekonferenz auf ein erfolgreiches Jahr 2010 zurück und berichtete von aktuellen Projekten und Planungen.

Neuer Fahrgastrekord

Der Fahrgastzuwachs des Jahres 2010 hat die Erwartungen des HVV übertroffen. Nach vorsichtiger Prognose Anfang 2010 von 1 Prozent, weist das tatsächliche Jahres­ergebnis einen Zuwachs von 3,1 Prozent (+ 20,2 Millionen) auf. Insgesamt 676,3 Mil­lionen Fahrgäste nutzten im vergangenen Jahr den HVV – ein neuer Rekord in der 45‑jährigen Geschichte des Verbundes.

Die Fahrgeldeinnahmen im HVV erhöhten sich 2010 um 4,8 Prozent (+ 28,4 Mio. Euro) auf 617,0 Millionen Euro. Davon resultieren etwa 8,0 Millionen Euro aus der Tarif­anhebung vom 1. Januar 2010, d. h. ohne Tarifanhebung wären die Einnahmen um 3,5 Prozent gestiegen.

Überdurchschnittlich beigetragen zum positiven Gesamtergebnis haben die Zeitkarten des Berufsverkehrs mit 3,7 Prozent und die Einzel- und Tageskarten (Gelegenheits­verkehr) sogar mit 6,0 Prozent Zuwachs. Die Gründe sind vielfältig: Einerseits hat sich der Arbeitsmarkt erholt und fördert damit den Absatz von HVV-Zeitkarten, andererseits haben die auf den Freizeitverkehr zielenden Werbemaßnahmen des HVV, der Tourismusboom und zudem das lang anhaltende Winterwetter eine Zunahme des Gelegenheitsverkehrs bewirkt.

Für das Jahr 2011 prognostiziert der HVV einen moderaten Anstieg der Fahrgastzahl von etwa einem Prozent.

Moderne Vertriebswege: Fahrkartenkauf leicht gemacht

Mit innovativen Vertriebswegen erleichtert der HVV seinen Kundinnen und Kundinnen den Fahrkartenkauf und verringert somit die Einstiegshürden.

Das seit 2007 angebotene Handyticket wurde im November 2010 für das mobile Internet optimiert. Man braucht nun für den Kauf keine Software mehr herunter­zuladen, sondern kann direkt über die Seite mobil.handyticket.de/hvv seine Fahrkarte kaufen und aufs Handy laden. Außerdem wurden kostenlose Apps fürs iPhone und für Androidgeräte eingeführt. Eine App für Blackberrys ist in Vorbereitung . Die Kunden wissen die Neuerungen zu schätzen, seit ihrer Einführung hat sich Handyticketverkauf verdreifacht: Im Mai 2011 lag der Monatsumsatz schon über 100.000 Euro.

Ebenfalls einen neuen Weg für bequemen Fahrkartenkauf stellt die seit Oktober 2010 verfügbare Fahrkarte zum Selberdrucken dar: Fahrgäste können alle Einzel- und Tageskarten zu Hause am eigenen PC kaufen und gleich ausdrucken. Im Mai betrug der Monatsumsatz dieses Vertriebswegs schon 88.000 Euro.

Ab kommenden Herbst will der HVV Fahrkarten zum Selberdrucken auch Unter­nehmen anbieten, die dann die im Internet gekauften Fahrkarten monatlich per Rechnung bezahlen können. So können Firmen ihren Gästen, Kunden oder auch Mitarbeitern für Dienstfahrten auf einfache Weise HVV-Fahrkarten zur Verfügung stellen. Bestell- und Abrechnungsmodalitäten werden speziell auf die Bedürfnisse von Firmen abgestellt sein. So können nicht nur für einzelne Personen, sondern durch auch für Personengruppen Karten gekauft werden und den einzelnen Empfängern unkompliziert per E-Mail zustellt werden.

Einen besonders zukunftsträchtigen Vertriebsweg eröffnet der HVV ebenfalls noch in diesem Jahr: Das E-Ticket wird zunächst als Pilotversuch im Bezirk und Landkreis Harburg eingeführt. Mit der elektronischen Kundenkarte im Scheckkartenformat wird ein neues Tarifangebot verknüpft: Bei Zahlung eines Grundbetrags von 10 Euro monatlich erhält der Karteninhaber 25 Prozent Rabatt auf jede gekaufte Einzel- oder Tageskarte. Gekauft und aufs „E-Ticket“ geladen werden die Fahrkarten an HVV-Automaten und bei Busfahrern, bezahlt wird per Lastschrift oder Kreditkarte. Mittelfristiges Ziel des E-Ticketings ist eine elektronische Kundenkarte, die für alle Fahrkartenarten und von Kindesbeinen bis ins Rentenalter verwendbar ist.

Ab Herbst 2011: alkoholfrei im HVV

Eine weitere Neuerung im HVV wird am 1. September 2011 starten: das Alkohol­konsumverbot. Mit dieser Regelung kommt der HVV der Mehrzahl seiner Fahrgäste entgegen, denn auf die mit der HVV-Imageanalyse 2010 gestellte Frage nach einem Verbot des Alkoholkonsums im HVV gaben 86 Prozent der Befragten an, dies zu befürworten.

Verkehrsunternehmen und Verbund haben nun Anfang 2011 die Einführung eines entsprechenden Verbots beschlossen. Es soll nicht nur in Bussen und Bahnen, sondern auch auf den Haltestellen von U-, S- und A-Bahn gelten. Im ersten Monat des Alkohol­konsumverbots werden alle  Fahrgäste besonders gründlich über die Neuerung informiert. Ab 1. Oktober wird zudem für die Übertretung des Verbots ein Betrag von 40 Euro zu zahlen sein. Ausgenommen vom Alkoholkonsumverbot sind nur die Unternehmen Nord-Ostsee-Bahn, Nordbahn und DB Regio sowie die Hadag.

Ausbau des Verkehrsangebots

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der HVV-Fahrgäste um 16,5 Prozent gewachsen. Das Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. Ein so starker Nachfrage­zuwachs kann nicht allein durch vorhandene Kapazitäten gedeckt werden, sondern macht einen Ausbau des Verkehrsangebots notwendig. In den letzten Jahren einge­führte neue Angebote wie die S-Bahn nach Stade und die Flughafen-S-Bahn oder neue Busverbindungen haben die Nachfrageprognosen übertroffen. Auf den S-Bahn- und Metronomstrecken im Süden des Verbundgebiets musste das Angebot mehrmals verdichtet werden. Im Bau sind die U4 in die Hafencity, die im zweiten Halbjahr 2012 in Betrieb gehen soll, die Planungen für die S4 in Richtung Ahrensburg laufen.

Nach der Einstellung der Stadtbahn-Planungen muss sich das Augenmerk auf einen forcierten Ausbau des Hamburger Bussystems richten, denn hier waren schon in den vergangenen Jahren – besonders auf den Metrobuslinien – immer wieder Kapazitäts­ausweitungen notwendig. Im vergangenen Jahr hat der HVV zwei neue Buslinien (167, 213) eingerichtet und die Linie 172 verlängert. Um das Bussystem angesichts des dichten Hamburger Autoverkehrs und begrenzten Straßenraums leistungsfähiger zu machen, wird auch an Konzepten zur Busbeschleunigung gearbeitet werden. Sowohl eine Ampelbeeinflussung durch sich nähernde Busse als auch die Einrichtung weiterer Busspuren sind dabei probate Mittel. Der HVV ist mit den großen Hamburger Busunter­nehmen (Hamburger Hochbahn AG und VHH-PVG-Unternehmensgruppe) in einem von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation geleiteten Arbeitskreis vertreten, um dieses Thema voranzubringen.

Qualitätssteuerung mit Bonus und Malus

Das im HVV angewandte Qualitätssteuerungsverfahren hat 2010 wieder ein hohes Leistungsniveau bei den teilnehmenden Verkehrsunternehmen registriert. Die Gesamt­betrachtung zeigt einen deutlichen Bonusüberschuss, viele Zielvorgaben sind über­erfüllt worden. Weiter verbessert hat sich die Pünktlichkeitsbewertung bei S-Bahn, Bussen und Schiffen. Es gibt wenige Felder, in denen im Vergleich zum Vorjahr Ver­schlechterungen eingetreten sind, wie beim Sicherheitsgefühl der Fahrgäste. Diese Entwicklung muss jedoch in Zusammenhang mit einzelnen Gewalttaten im Früh­sommer 2010 und der daraus folgenden intensiven Sicherheitsdiskussion in der Öffentlichkeit gesehen werden.

Seit 2008 werden bei der Hamburger Hochbahn AG, der S-Bahn Hamburg GmbH, der VHH-PVG-Unternehmensgruppe und HADAG Seetouristik und Fährdienst AG Qua­litätskennwerte erhoben und finanziell bewertet. Schlechte Leistungen werden mit einem Malus belegt, während Boni für das Übertreffen der Zielvorgaben ausgelobt werden. Auch die Autokraft ist mittlerweile mit ihrem Busverkehr im Kreis Stormarn am System beteiligt. Der Qualitätsbericht 2010 wird nach Fertigstellung vom HVV veröffentlicht.

HVV-Garantie

Seit dem 11. Januar 2011 garantiert der HVV seinen Fahrgästen: „Pünktlich oder Geld zurück“. Wer sein Fahrtziel mehr als 20 Minuten zu spät erreicht, erhält die Hälfte des Fahrpreises, mindestens aber einen Euro zurück. Gezahlt wird unabhängig vom Verspätungsgrund. Der HVV ist der erste große Verbund in Deutschland, der seinen Fahrgästen eine umfassende Garantie für alle Verkehrsmittel und ohne jede Ausnahme anbietet.

Bis gestern, dem 21. Juni, wurde die HVV-Garantie rund 20.100 mal in Anspruch genommen, die Gesamtsumme der bis dahin beantragten Entschädigungsbeträge liegt bei rund 27.300 Euro. Die ersten Monate haben gezeigt, dass die Fahrgäste sehr sensibel auf besondere Vorkommnisse reagieren, so wirken sich beispielsweise Fahrplanbeeinträchtigen durch Streik oder Streckensperrungen wegen unvorher­sehbarer Ereignisse schnell auf die Zahl der eingehenden Garantie-Anträge aus.